Kurz gefasst
- Das rumänische Arbeitsministerium hat die Methodik für die Mangelberufsliste festgelegt, also die Liste der Berufe, für die Arbeitgeber in Rumänien ausländische Arbeitskräfte holen dürfen.
- Für die Aufnahme muss ein Beruf vier Bedingungen kumulativ erfüllen, darunter mindestens 10 mit Ausländern geschlossene Vollzeitarbeitsverträge und mindestens 10 erteilte Arbeitsgenehmigungen im Bezugsjahr. Der Beruf muss in die Hauptgruppen 3 bis 9 der rumänischen Berufsklassifikation fallen.
- Die Liste wird halbjährlich oder bei Bedarf aktualisiert, nach Anhörung der Sozialpartner, und Arbeitgeber können Berufe über eine elektronische Plattform vorschlagen, auf die das Ministerium binnen 30 Tagen antwortet.
Veröffentlicht: Amtsblatt Rumäniens (Monitorul Oficial) Nr. 603 vom 23. Juli 2026
In Kraft seit: 23. Juli 2026
Wie viele ausländische Arbeitskräfte Rumänien braucht und für welche Berufe es auf dem heimischen Markt keine Bewerber mehr gibt, beantwortet der Staat nun nach einer schriftlichen Methodik, mit Zahlenschwellen und benannten Datenquellen. Das Ministerium für Arbeit, Familie, Jugend und soziale Solidarität hat mit Erlass Nr. 987/2026 die Methodik zur Erstellung und Aktualisierung der Mangelberufsliste nach Artikel 1 Absatz (4) der Dringlichkeitsverordnung Nr. 32/2026 über den Zugang von Ausländern zum rumänischen Arbeitsmarkt genehmigt. Der Erlass gehört zu einem Jahr, in dem die Regeln für Arbeitgeber Stück für Stück neu geschrieben werden, von der Berechnung und Meldung von Krankengeld bis zum Zugang zum Arbeitsmarkt.
Die Liste selbst wird mit diesem Erlass nicht veröffentlicht. Veröffentlicht wird das Rezept, nach dem sie entsteht, und vor allem die Kriterien, die darüber entscheiden, ob ein Beruf darauf landet. Diese Kriterien sind erstmals Zahlen und keine Einschätzungen.
Welche Wirkungen der Rechtsakt hat
Die Methodik stützt sich auf drei Verwaltungsdatenquellen. Die Nationale Arbeitsagentur übermittelt die 2025 von Arbeitgebern gemeldeten offenen Stellen, für die Bescheinigungen über verfügbare Arbeitskräfte ausgestellt wurden, sowie die Berufe, bei denen das Verhältnis von gemeldeten Arbeitsuchenden zu offenen Stellen zum 31. Dezember 2025 unter eins liegt. Die Arbeitsinspektion übermittelt die zum selben Stichtag in REGES-ONLINE aktiven Vollzeitarbeitsverträge mit Ausländern. Die Generalinspektion für Einwanderung übermittelt die 2025 erteilten Arbeitsgenehmigungen. Alle Daten sind nach Beruf gegliedert, mit Bezeichnung und Code aus der rumänischen Berufsklassifikation.
Für die Aufnahme müssen vier Kriterien kumulativ erfüllt sein: 2025 gemeldete offene Stellen mit ausgestellten Bescheinigungen; mindestens 10 zum 31. Dezember 2025 aktive Vollzeitverträge mit Ausländern; mindestens 10 im Jahr 2025 erteilte Arbeitsgenehmigungen; und Einordnung des Berufs in die Hauptgruppen 3 bis 9 der Klassifikation. Diese Hauptgruppen umfassen Techniker, Bürokräfte, Dienstleistungs- und Verkaufsberufe, Landwirte, Handwerker, Anlagen- und Maschinenbediener sowie Hilfskräfte, also genau jenen Bereich, in dem sich die Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem Ausland bündelt. Die ersten beiden Hauptgruppen, Führungskräfte und akademische Berufe, bleiben außen vor.
Neben den kumulativen Kriterien lässt die Methodik zwei weitere Türen offen. Erstens können Berufe aufgenommen werden, bei denen das Verhältnis von Arbeitsuchenden zu offenen Stellen bei höchstens 0,5 liegt, also mindestens zwei freie Stellen je suchender Person. Zweitens können Berufe aufgenommen werden, deren Arbeitskräftebedarf sich aus national festgelegten Entwicklungsprioritäten ergibt, aber nur auf Grundlage einer begründeten Rechtfertigung mit Bezug auf nationale Programmdokumente oder Regierungsakte.
Der Listenentwurf wird den national repräsentativen Sozialpartnern zur Anhörung vorgelegt; sie haben 5 Kalendertage für begründete Vorschläge zur Aufnahme oder Streichung. Danach wird die Liste per Ministererlass genehmigt und im Amtsblatt Rumäniens veröffentlicht.
Aktualisiert wird halbjährlich. Dafür übermitteln Arbeitsagentur und Arbeitsinspektion ihre Daten binnen 60 Kalendertagen nach dem letzten Tag des jeweiligen Halbjahres. Bei der halbjährlichen Aktualisierung wird das Stellenkriterium strenger: Es zählt nicht mehr jede gemeldete Stelle, sondern wiederholt gemeldete offene Stellen, also solche mit dem Code „D“ in Anhang 1A zu den Durchführungsbestimmungen des Gesetzes Nr. 76/2002, der bestätigt, dass die Stelle bereits zuvor gemeldet wurde und unbesetzt blieb. Die Schwelle von mindestens 10 aktiven Verträgen mit Ausländern und die Hauptgruppenbedingung bleiben, das Kriterium der Arbeitsgenehmigungen entfällt. Die Anhörungsfrist für die Sozialpartner steigt auf 15 Kalendertage.
Arbeitgeber sind keine Zuschauer. Die Methodik verweist auf Artikel 3 Absatz (2) Buchstabe o) der Dringlichkeitsverordnung Nr. 32/2026, der ihnen erlaubt, Berufe über eine elektronische Plattform vorzuschlagen. Die Vorschläge müssen mit Begründungen und aussagekräftigen Statistiken belegen, welche Schritte zur Suche nach Arbeitskräften auf lokaler, Kreis- oder nationaler Ebene unternommen wurden, sowohl mit eigenen Mitteln als auch über die Arbeitsagentur. Das Ministerium prüft sie, nach Anhörung der Agentur, binnen 30 Kalendertagen nach Registrierung.
Schließlich kann die Liste auch außerhalb des Halbjahresrhythmus aktualisiert werden, und zwar in drei Fällen: wenn in Rumänien von Ministerien angeforderte Tätigkeiten für Projekte zur Entwicklung und Modernisierung der nationalen Wirtschaftsinfrastruktur anstehen, wenn Arbeitgeber Vorschläge mit unmittelbarem Bedarf einreichen und wenn repräsentative Sozialpartner begründete Anträge stellen. Dann beträgt die Anhörungsfrist wieder 5 Kalendertage.
Was sich gegenüber der bisherigen Lage geändert hat
- Die Liste hat erstmals eine veröffentlichte Methodik: bislang folgte die Auswahl der für ausländische Arbeitskräfte offenen Berufe keinem öffentlichen Satz von Zahlenkriterien.
- Klare Schwellen von 10 und 10: mindestens 10 aktive Vollzeitverträge mit Ausländern und mindestens 10 im Bezugsjahr erteilte Arbeitsgenehmigungen.
- Ein Indikator für Arbeitsmarktanspannung: das Verhältnis von Arbeitsuchenden zu offenen Stellen mit der Schwelle 0,5 wird zum alternativen Aufnahmekriterium.
- Halbjährliche Aktualisierung mit festen Fristen: Arbeitsagentur und Arbeitsinspektion haben 60 Tage nach Halbjahresende für die Übermittlung.
- Wiederholt gemeldete Stellen zählen bei Aktualisierungen: Das Kriterium knüpft an den Code „D“ in der Meldung an die Arbeitsagenturen an, der belegt, dass die Stelle unbesetzt blieb.
- Arbeitgeber erhalten einen förmlichen Vorschlagsweg: die in der Dringlichkeitsverordnung Nr. 32/2026 vorgesehene elektronische Plattform, mit Antwort binnen 30 Tagen.
- Die Sozialpartner erhalten gestaffelte Fristen: 5 Tage für die Erstliste und für anlassbezogene Aktualisierungen, 15 Tage für die halbjährliche.
- Der Zweck ist in zwei Richtungen formuliert: Auswahl von Ausländern für eine Beschäftigung und Schutz der Interessen rumänischer Arbeitnehmer sowie jener aus der Europäischen Union, dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz.
Vorteile und Nachteile
Was besser wird
- Aus einer Ermessensentscheidung wird eine messbare: Ein Beruf kommt auf die Liste, weil die Daten es tragen, nicht weil jemand lauter gefordert hat.
- Die Liste stützt sich auf echte Verwaltungsdaten aus drei verschiedenen Institutionen, was Manipulation erschwert.
- Das Kriterium wiederholt gemeldeter Stellen mit dem Code „D“ filtert Stellen heraus, die formal ausgeschrieben, aber nie wirklich offen waren.
- Arbeitgeber erhalten einen klaren Weg und eine Antwortfrist statt informeller Lobbyarbeit.
- Die Anhörung der Sozialpartner ist bei jeder Fassung der Liste Pflicht, nicht nur bei der ersten.
Was problematisch bleibt
- Die Schwelle von 10 Verträgen und 10 Genehmigungen begünstigt Berufe, in die bereits ausländische Arbeitskräfte geholt wurden, und erschwert den Zugang für neu entstandene Engpässe ohne Vorgeschichte.
- Fünf Kalendertage für die Prüfung der Erstliste durch die Sozialpartner sind für eine ernsthafte Analyse knapp, zumal wenn die Liste Dutzende Berufe umfasst.
- Die Tür der „national festgelegten Entwicklungsprioritäten“ ist weit gefasst und beruht auf einer ministeriumsinternen Begründung, was den Ermessensspielraum zurückbringt, den der Rest der Methodik beseitigt.
- Die Daten der ersten Liste stammen vom 31. Dezember 2025, der Abstand zur Arbeitsmarktrealität im zweiten Halbjahr 2026 kann also über anderthalb Jahre betragen.
- Die Methodik sieht keine Veröffentlichung der zugrunde liegenden Daten vor, womit eine unabhängige Überprüfung praktisch unmöglich wird.
Praktische Hinweise
- Wenn Sie Arbeitgeber sind und ausländische Arbeitskräfte brauchen: Prüfen Sie zuerst, ob Ihr Beruf in die Hauptgruppen 3 bis 9 der rumänischen Berufsklassifikation fällt. Liegt er in Gruppe 1 oder 2, greift der Mechanismus nicht.
- Wenn Sie wollen, dass ein Beruf auf die Liste kommt: Melden Sie offene Stellen der Arbeitsagentur, und zwar wiederholt, mit dem Code „D“, wenn die Stelle unbesetzt bleibt. Bei der halbjährlichen Aktualisierung zählt genau diese Historie.
- Wenn Sie einen Vorschlag über die Plattform einreichen: Bereiten Sie konkrete Nachweise Ihrer lokalen, kreis- oder landesweiten Rekrutierungsbemühungen vor, mit eigenen Mitteln und über die Arbeitsagentur. Ohne sie bleibt der Vorschlag eine bloße Bitte.
- Wenn Sie eine repräsentative Gewerkschaft oder ein Arbeitgeberverband sind: Bereiten Sie Ihre Position früh vor. Für die Erstliste und anlassbezogene Aktualisierungen bleiben nur 5 Kalendertage.
- Wenn Sie den Zeitplan verfolgen: Die Daten für die halbjährliche Aktualisierung gehen binnen 60 Kalendertagen nach dem letzten Tag des Halbjahres ein, die aktualisierte Liste erscheint also bestenfalls einige Monate nach dem Bezugszeitraum.
Häufige Fragen
Was ist die Mangelberufsliste?
Veröffentlicht der Erlass die Liste selbst?
Welche Bedingungen muss ein Beruf erfüllen?
Was bedeutet das Verhältnis 0,5?
Kann ein Arbeitgeber die Aufnahme eines Berufs beantragen?
Wie oft wird die Liste aktualisiert?
Was sind die Hauptgruppen 3 bis 9?
Originaltext des Rechtsakts
Der nachstehende Text wird auf Rumänisch wiedergegeben, in der amtlichen Fassung der Veröffentlichung.
Der vollständige Text in der im Amtsblatt Rumäniens veröffentlichten Fassung
Amtsblatt Rumäniens Nr. 603 vom 23. Juli 2026 16 Seiten PDF, 115 KB der Rechtsakt beginnt auf Seite 13
Amtliches PDF öffnenPDF herunterladen
Auf kleinen Bildschirmen wird der Viewer nicht angezeigt. Nutzen Sie die Schaltflächen oben, um die Datei zu öffnen oder herunterzuladen.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Wenden Sie sich für konkrete Sachverhalte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder Steuerberater.
